Filmreihe im Sommersemester 2025 Kunst und Raum im Film – Die vier Wände

Folgt man der Filmtheorie, sind Filme aus unterschiedlichen Räumen konstruiert: Der „Bildraum“ etwa beschreibt die Raumverhältnisse in einer einzelnen Einstellung. Den „Architekturraum“ bildet das arrangierte Ensemble von Landschaft, Gebäuden und Objekten. Der „Filmraum“ bezeichnet den imaginären Raum, den das Publikum mit Hilfe aller vom Film angebotenen Einzelteile in der Vorstellung zusammensetzt. Dieser „szenische Raum“ wird wiederum aus unterschiedlichen Bezugsgrößen geformt: aus den einzelnen Einstellungen, der Montage und dem Ton. Manche Filme bilden darüber hinaus symbolische Raummodelle aus, indem beispielsweise dem Innen ein Außen gegenübergestellt wird, oder einzelnen Räumen besondere Bedeutungen und Regeln auferlegt, oder psychische Veränderungen der Figuren symbolisiert werden. Wie der Filmwissenschaftler Hans Jürgen Wulff zudem betont, korreliert die Raumdarstellung dabei insbesondere mit Strategien der Subjektivierung.

Poster der Filmreihe Kunst und Raum – Die vier Wände im Film

Mit solchen Raummodellen befasst sich die Filmreihe und konzentriert sich auf Wohnräume: In allen vier Beispielen fungiert das Interieur als ‚narrativer Protagonist‛. Dabei sind die Produktionsländer – USA, Großbritannien, Frankreich und Schweiz – ebenso vielfältig gewählt wie die Genres. Ganz klar: Horror und Thriller sind die zwei Kategorien, in denen das eigene oder fremde Wohnhaus am häufigsten dominant auftritt. Es wundert also nicht, dass die Reihe mit Alfred Hitchcocks legendärem Thriller Das Fenster zum Hof (1954) einsteigt. Das Geisterhaus ist nicht nur ein Klassiker im Bereich der Literatur: Jack Clayton nutzt in The Innocents (1961) ein extrem breites Bildformat, um den Blick durch die Räume wandern zu lassen, sei es aus Perspektive des Filmpersonals oder (imaginierter?) Geister selbst. Im Drama Vortex (2021) erzählen die Wände vom vergangenen Leben eines Ehepaares, das sich als Resultat einer Demenzerkrankung immer weiter voneinander entfernt. Zum Abschluss dreht sich auch thematisch alles um den architektonischen Raum. Mit E.1027 – Eileen Gray und das Haus am Meer (2024) beweist die Regisseurin Beatrice Minger auf visueller Ebene, welche Wirkkraft vom Interieur ausgeht – auch auf das Publikum vor der Leinwand.

Eine Kooperation des Instituts für Europäische Kunstgeschichte und des Romanischen Seminars der Universität Heidelberg mit dem Gloria – Filmkunsttheater Heidelberg.

Konzeption und Organisation
Elisabeth Bohnet, Henry Keazor, Alexandra Vinzenz und Daniel Winkler

Eine Veranstaltung des SFB-Teilprojekts C04 „Visuelle Chiffren von Heimat in Bildender Kunst, Literatur und Film“.Alle Termine und weitere Informationen