HeFäStuS – Heidelberger Fälschungs-Studiensammlung

Die im Frühjahr 2021 gegründete Heidelberger Fälschungs-Studiensammlung HeFäStuS folgt dem Motto: „Aus dem Falschen das Richtige lernen“. Anhand der in ihr verfügbaren Objekte können Studierende zum einen für das Phänomen der Kunstfälschung sensibilisiert werden und lernen, woran man diese erkennen kann. Zudem wird hier auch das vermittelt, was für die Auseinandersetzung mit dem Original wichtig ist. Der Vorteil: Die Werke können angefasst und selbst erforscht werden.

Grundlegend für die Sammlung ist eine Zusammenarbeit mit den drei Landeskriminalämtern von Berlin, Bayern und Baden-Württemberg, die Fälschungen aus ihren Asservatenkammern als Leihgaben für die Forschung und Lehre zur Verfügung stellen. Hinzu kommen mittlerweile auch immer wieder Fälschungen aus privater Hand. Die stetig wachsende Sammlung verfügt aktuell über rund 140 Werke gefälschter Künstler:innen von der Frühen Neuzeit bis ins 21. Jahrhundert, darunter größtenteils Grafiken und Gemälde.

Während die Auseinandersetzung mit Fälschungen in der kunsthistorischen Ausbildung bislang generell vernachlässigt wurde, ist es Studierenden hier nun möglich, in direkten Kontakt mit den Objekten zu treten und so auf eine mögliche spätere Konfrontation mit Fälschungen im Berufsleben vorbereitet zu werden. In wiederkehrenden Seminaren und Workshops, ergänzt von Gastvorträgen und Exkursionen, erlernen die Teilnehmer:innen auffällige Merkmale und wissenschaftliche Herangehensweisen und untersuchen ohne die üblichen Berührungsängste selbstständig die Beschaffenheit und Provenienz gefälschter Kunstwerke aus der Sammlung. Die Ergebnisse zu diesen zuvor nicht erforschten und publizierten Objekten fließen sukzessive in die universitätseigene Objekt- und Multimediadatenbank heidICON, wo sie zukünftig auch einem erweiterten Kreis zugänglich gemacht werden sollen.

Einen Einblick in die Arbeit der HeFäStuS gewährte bereits die Ausstellung „Kunst und Fälschung. Aus dem Falschen das Richtige lernen“ im Kurpfälzischen Museum Heidelberg (29.02.–30.06.2024).

HeFäStuS Bilddatenbank

Datenbankeinträge der Heidelberger Fälschungs-Studiensammlung
heidICON – Universitätsbibliothek Heidelberg

Inhalt

Lehrveranstaltungen

  • OS: Kunstfälschung – von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, WS 2024/25
  • VL: F for Fake: Fälschungen (in) der Kunstgeschichte, SS 2024
  • OS: Kunstgeschichte und Kunstfälschung: Beispiele aus der Heidelberger Fälschungs-Studiensammlung, WS 2023/24
  • OS: Kunst und Fälschung, WS 2022/23
  • OS: Aus dem Falschen das Richtige lernen – Fallbeispiele aus der Heidelberger Fälschungs-Studiensammlung ‚HeFäStuS‘, SS 2022
  • OS: Gefälschte Kunst: Ausgewählte Beispiele aus der Heidelberger Fälschungs-Studiensammlung ‚HeFäStuS‘, WS 2021/22
  • OS: „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Kunstfälschungen?“ Zur Geschichte, Methodik und Wirkung der Kunstfälschung, SS 2021 (Aufgrund der Coronabestimmungen digital durchgeführte Einführung in die Theorie der Kunstfälschung)
Studierende untersuchen im Seminar eine Fälschung

Workshops

  • „Kunst auf Abwegen“, Kunsthistorischer Studierendenkongress 20.–23.02.2025 in Heidelberg, durchgeführt von Prof. Dr. Henry Keazor und Cara Hoppe, 21.02.2025
  • „Erkennen von Fälschungen künstlerischer Druckgrafik“, durchgeführt von Kriminalhauptkommissar a. D. Ernst Schöller, 2022–2025
  • Restaurierungsworkshops, durchgeführt von Dipl. Restaurator (Univ.)/Conservator Jakob Wedemeyer, 2022–2025
Analyse der Farbpigmente einer Fälschung

Gastreferent:innen

  • Vertreter:innen der Landeskriminalämter Baden-Württemberg, Bayern, Berlin sowie Verfasser:innen von Werkverzeichnissen und Museumskurator:innen
  • Kriminalhauptkommissar a. D. Ernst Schöller
  • Dipl. Designer Dr. Michael Hofbauer, Cranach Research Institute, Heidelberg
  • Harald Müller, Institute for Materials Science and Authenticity Testing (IMS), Wiesbaden
  • Dipl. Restaurator (Univ.)/Conservator Jakob Wedemeyer

Exkursionen

  • Besuch bei Prof. Dr. Ernst Pernicka im Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie, Mannheim, 07.02.2025
  • Besuch bei Dr. Roman Zieglgänsberger und Restauratorin Ines Unger in der Ausstellung „Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden“, Museum Wiesbaden, 17.09.2021–14.08.2022
  • Besuch in der Graphischen Sammlung des Städel-Museums, Frankfurt am Main, mit Gesprächen mit Dr. Martin Sonnabend und Dr. Regina Freyberger, 13.12.2021

Publikationen

  • Keazor, Henry: Aus dem Falschen das Richtige lernen. 12 Fälle der Kunstfälschung. Begleitbroschüre zur Ausstellung „Kunst und Fälschung“ im Kurpfälzischen Museum Heidelberg vom 29. Februar bis 30. Juni 2024 Heidelberg 2024. 
  • Keazor, Henry: Die Heidelberger Fälschungs-Studiensammlung „HeFäStuS“, in: Kunst und Recht, 25, 2 (2023), S. 73–77.
  • Öcal, Tina: Gefälschte Zeit. Das Phänomen der Fälschung (in) der Kunstgeschichte seit dem Florentiner Ottocento. Heidelberg 2022.
  • Fake. Fälschungen, wie sie im Buche stehen. Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Heidelberg und des Instituts für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg, hrsg. von Maria Effinger und Henry Keazor. Heidelberg 2016.
  • Keazor, Henry: Täuschend echt! Eine Geschichte der Kunstfälschung. Darmstadt 2015.
  • Keazor, Henry und Öcal, Tina (Hrsg.): Der Fall Beltracchi und die Folgen. Interdisziplinäre Fälschungsforschung heute. Berlin 2014.

Presse und Medien

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Butin, Hubertus: So lehrreich sind Gemälde von Betrügern. In Heidelberg können angehende Kunsthistoriker eine Sammlung von Fälschungen studieren, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2022, Nr. 288, S. 17
Stammschröer, Konrad: Tatort Kunst: Entlarvte Fälschungen. Falsche Meisterwerke im Uni-Hochsicherheitstrakt, Badische Neueste Nachrichten, 27.08.2022, S. 4
Braun, Adrienne: Gefälschte Kunstwerke als Studienobjekt, in: Stuttgarter Zeitung, 24.02.2022, S. 26
Mehlin, Beate: Bekämpfung des illegalen Handels hat hohen Stellenwert, in: Staatsanzeiger, 11.02.2022
Kober, Johanna: Aus der Asservatenkammer in die Universität, in: Rhein-Neckar-Zeitung, 10.02.2022, S. 3
Reuß, Eberhard: Kunstfälschungen als Unterrichtsmaterial in der Universität Heidelberg, in: SWR aktuell BW, Bericht vom 12.01.2022
Reuß, Eberhard: Kunstfälschungssammlung an der Universität Heidelberg, in: SWR2 Journal am Mittag, 11.01.2022
Pett, Inge: Aus dem Falschen das Richtige Lernen, in: Restauro, Nr. 4 (2022), S. 42–44
Schmid, Karlheinz: Beispielhafte Heidelberger Initiative. Der Kunsthistoriker Henry Keazor baut eine „Fälschungs-Studiensammlung“ auf, in: Informationsdienst Kunst, Nr. 744 (2022), S. 6–8